KINDHEIT

Das nebenstehende Bild ist das Ă€lteste mir bekannte Foto, auf dem ich zu sehen bin. Es ist ein Ausschnitt aus einem Hochzeitsbild von einem meiner Ă€lteren BrĂŒder. Ich schĂ€tze es wurde 1947 aufgenommen.

Als ich geboren wurde, hatte Stalin im Osten Hitler schon das Genick gebrochen. Letzte „Volksreserven“ wurden mobilisiert. Mein Vater wurde „eingezogen“ und kurze Zeit spĂ€ter von einer Granate bei lebendigem Leib in StĂŒcke gerissen. Ich habe ihn nie gesehen. Das sogenannte Vaterland hat ihn mir unwiederbringlich genommen. Meine Geburtsstadt Posen, und auch die UniversitĂ€tsklinik, in der ich zur Welt kam, habe ich erst gesehen, als ich die Mitte des Lebens bereits ĂŒber-schritten hatte. Meine Kindheit beginnt also in dem kleinen und damals von der Geschichte vergessenen Ort Busendorf, mit Klaistow und Kanin, eines der drei sĂ€chsischen Dörfer, die so genannt werden, weil sie 600 Jahre lang bis 1815 zu Sachsen gehörten. Sie liegen mitten in der Mark Brandenburg in einer hĂŒgligen, von unzĂ€hligen Waldseen durchsetzten EndmorĂ€nenlandschaft, die wegen ihres kargen Sandbodens auch Brandenburger StreusandbĂŒchse oder Zauche genannt wird. Diese Gegend mit ihren Menschen im Umkreis von RĂ€del, Lehnin, Göhlsdorf, Bliesendorf, Werder, Glindow, Ferch, Beelitz, Borkheide und BrĂŒck bestimmten meine Kindheit, die ich gemeinsam mit meinen BrĂŒdern Adolf und Arthur und Hulda und Anna, liebevoll Anni genannt, im Hause meiner Mutter verbracht habe.

Die Dorfkirche in Kanin ist der Àlteste Feldsteinbau der Mark Brandenburg. Hier ein Fotoaus dem Jahre 2006.

Die grĂ¶ĂŸeren Geschwister: Julius, Heinrich, Eduard, Lydia, Adina und Minna, die vom Alter her, auch gut meine Eltern hĂ€tten sein können, waren aber auch ein wertvoller Bestandteil meiner Kindheit, weil ich zu mindesten in den ersten Schuljahren einen Teil meiner Ferien bei ihnen verlebt habe. So waren neben den gleichaltrigen Dorfkindern Siegfried Willmann, Klaus Makeprange, Ernst Paul und Horst MĂŒller meine Nichten und Neffen Kurt Rottstock, Uwe List, Gitta Meckelburg, Karin Meckelburg, Gertrud und Edith Meckelburg sowie Evelyn Rotstock und Inge Schulz meine wichtigsten SpielgefĂ€hrten. Ich hatte eine sorgenfreie, harmonische und glĂŒckliche Kindheit. Es gab viele Möglichkeiten, um mich frei zu entfalten. Was ich an Dummheiten von den Kindern des Dorfes nicht lernte, brachten mir die Ă€lteren BrĂŒder bei. Eduard: Wie man eine sehr guten Katapult und Flitzbogen baut. Heinrich: Wie man Tauben und Kaninchen halten muss, damit sie sich wohlfĂŒhlen und wie man sich aus einer Kastanie eine prima „Piepe“ bauen kann. Julius: Wie man die Wassertiefe beim Angeln ausloten kann und wie man Köder zubereiten muss, damit man auch viele Fische fĂ€ngt. Wenn ich dann zu Besuch bei Lydia, Adina oder Minna war und meine diesbezĂŒglichen FĂ€higkeiten ihren Zöglingen beibringen wollte, gab`s Ärger, denn sie kannten natĂŒrlich die sogenannten „Schlechtigkeiten“ ihrer BrĂŒder.

Dieses Bild zeigt meinen Bruder und mich im Jahre 1947

Unsere Mutter, sie wurde von aus-nahmslos allen Kindern und der gesamten Schwagerschaft Mama geheißen, war eine unerschöpfliche Quelle fĂŒr Ideen, ihren Kindern durch Pflichten und Aufgaben zum TĂ€tig-sein anzuregen. Sie wusste wohl sehr gut, „MĂŒĂŸiggang ist aller Laster Anfang“. So hatte ich, wie meine Ge-schwister auch, einen ganzen Katalog von hĂ€uslichen Aufgaben. Sie betrafen praktisch alle bĂ€uer-lichen Arbeiten. In den unteren Klas-senstufen waren meine wichtigsten Aufgaben das GĂ€nsehĂŒten und Schuhputzen. Beim GĂ€nsehĂŒten hatte ich treue Freunde, die Kinder von Janitzkys, Klaus und Horst und unseren Hund Molli. FĂŒr ein Entgelt von 50 Pfennigen erledigte ich auch Pflichten, die eigentlich meine Schwestern hatten, wie z.B. bĂŒgeln oder Staub wischen. Obwohl in den Nachkriegsjahren im Allgemeinen sehr schlechte Bedingungen herrschten, war die dörfliche Ge-meinschaft in den drei sĂ€chsischen Dörfern noch in Takt. Zwar befand sich an fast jedem Hofeingang ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht bissiger Hund“ oder „Hausieren und betteln verboten“, um Menschen aus Fichtenwalde oder Berlin, die ein bisschen Milch, ein paar Eier oder Butter fĂŒr sich und ihre Kinder be-schaffen wollten, abzuschrecken. Aber zu diesen Menschen gehörten wir ja nicht. So fĂ€llt in die Zeit, deren Kind ich bin, der gewaltigste Um-schwung, den die Geschichte Deutschlands je gesehen hat.

Meine Mutter und ich. Dieses Bild könnte in den Jahren 1947/48 aufge-nommem worden sein.

Mit einem Mauseklick gelangen sie zur Beschreibung der Zeit, in der ich meine Kind verlebt habe. Ich bleibe dabei aber in meiner nÀheren Umgebung.

Nein, ich möchte an den Seitenanfang.

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